Ausgehend davon, dass „Geschlecht eine universale Kategorie ist und kulturell-gesellschaftliche Akte in grundsätzlicher Weise prägt“[1], umfassen Gender Studies eine Vielzahl an verschiedenen theoretischen und methodischen Ansätzen. Im Unterschied zum Feminismus baut die Genderforschung auf der Dynamik von Geschlechterdifferenz und -identität auf, die sozial und kulturell hergestellt und ständig neu konstruiert und aufrechterhalten wird. Diese relational definierten Positionen erweitern die Zusammenhänge außerdem mit weiteren Kategorien, wie Ethnizität (Race) und Klassenzugehörigkeit (Class). Die Entwicklungen weg von einer dezidierten Frauenforschung hin zu intersektionalen Konzepten berücksichtigt in diesem Sinne die Überkreuzungen bzw. das Zusammenwirken dieser sozialen Kategorien.

 

Die Konstruktionsmechanismen und Regelsysteme, die das soziale Geschlecht organisieren und für die Einhaltung der Normen sorgen, zeigen deutlich, wer von der binären Matrix abweicht, wie Schwule, Lesben und Transsexuelle. Im Anschluss an ihre Heterosexualitätskritik konzentrieren sich die Gender Studies darum auf minoritäre Formen des Begehrens, in diesem Sinne beschäftigen sich die zum Teil mit den Gender Studies zusammenfallenden Queer Studies mit schräg von der Norm befindlichem Begehren. Dabei geht es auch darum, heteronorme Diskurse zu überwinden, ohne ihrerseits normative Anforderungen und Hierarchisierungen zu produzieren.[2]

Elfriede Jelineks Zugang zu feministischen Fragestellungen zeigte bereits in den 70er Jahren eine vom Mainstream der Frauenbewegung abweichende Position, die sich stärker an einer kritischen Auseinandersetzung des Diskurses orientierte, wie Christa Gürtler und Rita Svandrlik in einer Revision Jelineks Feminismus demonstrieren. Anschließend daran zeigt Anna Babka neue Richtungen für die Jelinek-Forschung auf, indem sie sie in der Lesart einer allo-écriture féminine in einen Zusammenhang mit den französischen Feministinnen Cixous, Irigaray und Kristeva bringt. Keiko Nakagome und Britta Kallin wiederum überlegen sich aus internationaler Perspektive theoretische Anknüpfungspunkte, die für eine gender- und queertheoretische Deutung Jelineks Texte interessant sein können. Mit ihrem posthumanistischen, relationalen medientheoretischen Ansatz bringt Marie-Luise Angerer außerdem einen wichtigen weiteren Anknüpfungspunkt für die weitere Jelinek-Forschung

DIE BEITRÄGE DIESES BEREICHS:

Christa Gürtler, Rita Svandrlik:
Zum Feminismus

Anna Babka:
Frauen.Schreiben - Jelinek.Lesen

Britta Kallin, Keiko Nakagome:
Fragen zur Theorie

Marie-Luise Angerer:
Intensive Milieus


Anmerkungen

[1] Schößler, Franziska: Einführung in die Gender Studies. Berlin: Akademie Verlag 2008, S. 8.

[2] Vgl.: Engel, Antke: Wider die Eindeutigkeit. Sexualität und Geschlecht im Fokus queerer Politik der Repräsentation. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2002.